Das Apple Tablet kommt

… bestimmt, irgendwann. Oder gleich?

Wir wissen es nicht, denn Apple schweigt wie immer. Die Financial Times berichtet allerdings, daß eine große Veranstaltung in San Francisco vorbereitet wird, auf der Apple irgendeine bahnbrechende Neuerung vorstellen wird. Es weiß nur niemand, was das sein wird. Vielleicht die endlich überzeugende Neufassung des Apple TV, verbunden mit dem vieldiskutierten Apple-Internet-Fernseh-Abo? Oder es ist doch das Apple Tablet, oder Slate, oder iSlate, oder iTablet, oder iTab, oder wie es auch schließlich heißen mag.

Die New York Times läßt uns jedenfalls wissen, daß Steve Jobs mit dem Entwicklungsfortschritt des Tablet äußerst zufrieden sein soll. Und die Bedienoberfläche wird uns angeblich erstaunen.

Gestern hat John Gruber, Großwesir der Apple-Blogger, nach langer Zurückhaltung einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema veröffentlicht. Nach seiner Einschätzung wird das Tablet weder ein kleines MacBook sein, noch ein großes iPhone.

Stattdessen wird es, so spekuliert Gruber, unsere Vorstellung vom tragbaren Computer über Bord werfen und neu definieren.

Er könnte Recht haben. Denn die bisherigen Ansätze, Notebook und Handy, sind mittlerweile in unzähligen Kombinationen durchgespielt worden. Vom Nokia N900 über Netbooks bis hin zu großen, schweren, stiftgesteuerten Touchscreen-Laptops ist dabei alles Mögliche herausgekommen, aber nichts Neues, was die Welt begeistert hätte.

Die letzte grundsätzliche Innovation, was das Bedienkonzept angeht, gab es 1991 beim PowerBook 100: Tastatur nach hinten, Handballenauflage und Trackball nach vorne. Das war revolutionär — seitdem wird an den Details gefeilt.

Auch das iPhone ist kein neues Grundkonzept. Es ist die gleiche Idee wie ein Treo, oder ein Symbian Smartphone, oder ein Windows Mobile PDA, nur endlich mit Verstand und Geschmack und Ingenieurskunst perfekt umgesetzt.

Mit dem Tablet, so Gruber, hat Apple etwas Größeres vor. Es soll sich nicht zwischen iPhone und MacBook stellen — es soll das MacBook als Standard für mobile Datenverarbeitung ablösen. Oder nicht nur mobile? Schließlich ist nur noch einer von vier verkauften Macs ein stationärer Rechner, MacBook und MacBook Pro machen den Löwenanteil aus. (Nachzulesen im Quartalsbericht bei „Product Summary“.)

Wenn das stimmt, würde sich Apple mit dem Tablet einen Großteil des eigenen Geschäfts abgraben. Wer kauft sich noch ein MacBook, wenn es stattdessen das Ei des Kolumbus gibt?

Das alles ist Spekulation.

Aber eins ist klar: Wenn es ein Unternehmen gibt, das einen solchen Schritt wagen würde, dann ist es Apple. 2005 hat Apple den iPod mini auf der Höhe seines Erfolgs zum Entsetzen der Analysten ohne Vorankündigung vom Markt genommen und durch den iPod nano ersetzt, der wegen seiner geringeren Speicherkapazität kritisiert wurde. Apple hatte Recht, den der iPod nano verkauft sich bis heute wie warme Semmeln.

Man munkelt sogar, vielleicht ist das Apple Tablet das letzte große Projekt von Steve Jobs bei Apple, bevor er sich ins Privatleben zurückzieht, und er will damit ein Zeichen setzen, das über sein bisheriges Werk hinausgeht.

Lassen wir uns überraschen!