Archiv für Mai 2011

Time Capsule: DHCP-Server deaktivieren

Donnerstag, 26. Mai 2011

Die Apple Time Capsule wird oft unterschätzt und verdient ein Lobeslied auf die Datensicherung – mehr dazu ein andermal. Daneben ist sie aber auch ein sehr kompetenter WLAN-Router. Sie kann gleichzeitig auf zwei verschiedenen Frequenzen senden (2,4 GHz und 5 GHz) und damit ein privates WLAN mit Zugriff auf örtliche Netzwerkgeräte eröffnen und außerdem ein öffentliches, auf den reinen Internetzugang beschränktes Gastnetzwerk versorgen. Schließlich arbeitet sie verständig mit Apple-Diensten wie iChat, MobileMe und „Zurück zu meinem Mac“ zusammen, kann USB-Drucker im Netzwerk verfügbar machen und stört in den wenigsten Fällen ein- und ausgehende VPN-Verbindungen.

Über das Airport-Dienstprogramm läßt sich die Time Capsule komfortabel einrichten. Eins fehlt allerdings: der DHCP-Server kann nicht deaktiviert werden, ohne die Router-Funktion komplett auszuschalten („Bridge Mode“). Das ist äußerst störend, wenn man eine andere DHCP-Konfiguration benötigt, als von der Time Capsule angeboten wird, weil etwa mehr als ein Router im Netzwerk betrieben werden soll.

Zum Glück gibt es einen Trick, so einfach wie genial: David McNett hat es uns gezeigt. Man begrenzt den Adreßbereich, den die Time Capsule über DHCP vergeben soll, auf eine einzige IP-Adresse, und bindet diese fest an eine frei erfundene MAC-Adresse, z. B. 00:01:02:03:04:05. Das sieht so aus:

Dasselbe funktioniert übrigens auch mit der AirPort Extreme und AirPort Express Basisstationen.

Erklärung für technisch Interessierte

Weil der DHCP-Server in dieser Einstellung keine freie Adressen hat, die er ausgeben könnte, schweigt er einfach vornehm bei jeder Anfrage – es ist so, als wäre er ausgeschaltet. Um das zu überprüfen, kannst Du im Terminal folgendes eingeben:

sudo tcpdump -vv -i en1 -n port 67 and port 68

Dabei ist „en1“ der Name der AirPort-Schnittschnittstelle (bei einem MacBook Air etwa wäre es „en0“). Forderst Du mit einem angeschlossenen Computer eine neue DHCP-Adresse an. Bei einem über AirPort verbundenen Mac z. B. klickst Du dazu in Systemeinstellungen -> Netzwerk -> AirPort -> Weitere Optionen -> TCP/IP auf „DHCP-Lease erneuern“.

Die DHCP-Verhandlung wird über die UDP-Ports 67 und 68 abgewickelt, und man wird genau sehen, welcher DHCP-Server die Anfrage beantwortet. Wenn die Time Capsule sich nicht zu Wort meldet, dann ist ihr DHCP-Server erfolgreich stummgeschaltet.

Ruhezustand und Batterielaufzeit

Sonntag, 1. Mai 2011

Am besten kauft man sich ein neues MacBook Air. Es läßt sich in wenigen Sekunden in den Ruhezustand versetzen und wieder aufwecken und behält dennoch für 30 Tage eine brauchbare Akkuladung – ich kann es bestätigen, es ist Zauberei. [1. „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist nicht von Zauberei zu unterscheiden.“ – Arthur C. Clarke]

Wir haben aber zuhause noch ein altes MacBook Air (Rev. B), und da ist die Sache anders. Im normalen Ruhezustand, der den Inhalt des RAM-Speichers mit Batteriestrom puffert, ist der Akku nach wenigen Tagen leer, also hatte ich seinerzeit nach den gängigen Anleitungen mit dem Terminal-Befehl „sudo pmset -a hibernatemode 1“ den sogenannten Hibernate-Modus aktiviert. Dadurch wird beim Aktivieren des Ruhezustands zunächst der komplette RAM-Inhalt auf die Festplatte geschrieben und der Mac dann ausgeschaltet, so daß kein Batteriestrom mehr verbraucht wird. Schaltet man den Mac später wieder ein, erscheint der alte Bildinhalt hinter einem grauen Schleier, und am unteren Rand füllt sich langsam stufenweise ein Balken, bis der alte Zustand komplett wiederhergestellt ist.

Obwohl ich das alte MacBook Air mit einer schnellen RunCore-SSD aufgerüstet hatte, dauerte das Aufwachen deutlich über eine Minute, manchmal wirklich lästig.

Wie sich herausstellt, war das zwar unter Mac OS X Leopard (10.5) noch der beste Kompromiß, aber mit Snow Leopard (10.6) wurde eine neue Option eingeführt. Der Befehl der Wahl für ältere MacBooks heißt jetzt wie folgt, einzugeben als Kommandozeile im Terminal (auf der Festplatte unter Programme -> Dienstprogramme):

sudo pmset -a hibernatemode 25

Vorher kann man mit

pmset -g

die aktuellen Einstellungen abfragen, und mit

man pmset

bekommt man alles im Detail erklärt. Um die Einstellung verändern zu können, muß man als Benutzer mit Administratorrechten angemeldet sein, im Terminal wird das Paßwort abgefragt.

Mit „hibernatemode 25“ erreicht man, ähnlich wie früher mit „hibernatemode 1“, daß im Ruhezustand sofort der gesamte RAM-Inhalt auf die Festplatte gespeichert und der Mac anschließend komplett ausgeschaltet wird. Der Unterschied besteht darin, daß der neue Modus 25 zunächst über das Virtual-Memory-System soviele aktive RAM-Bereiche wie möglich auslagert, der Speicher also weitgehend freigeräumt wird. Dadurch müssen beim späteren Einschalten wesentlich weniger Daten eingelesen werden, bevor der Rechner wieder aktiviert werden kann, und die Wartezeit wird erheblich verkürzt.

Dafür dauert die Einschlafphase etwas länger. Für eine SSD ist das unerheblich, da Erschütterungen dem Flash-Speicher nichts anhaben können. Bei einem MacBook mit einer mechanischen Festplatte sollte man aber wie immer das Erlöschen der Schlaf-LED abwarten, bevor man es zusammenklappt und wegpackt. Die Festplatte freut sich, ihre Arbeit in Ruhe schüttelfrei beenden zu dürfen.

Beim neuen MacBook Air (2010) kann man sich diese ganze Prozedur übrigens sparen. Wie uns „pmset -g“ mitteilt, unterstützt es die neue „deepsleep“ Funktion, im Lieferzustand ist „hibernatemode“ auf 3, „deepsleep“ auf 1 und „deepsleepdelay“ auf 4200 gesetzt.

Das bedeutet, daß beim Zuklappen das neue MacBook Air zunächst den Speicherinhalt im normalen Verfahren (hibernatemode 3) auf die Festplatte speichert und dann nach 70 Minuten (4200 Sekunden) den Strom ausschaltet. Wird es innerhalb der 70 Minuten wieder aufgeweckt, ist es sofort einsatzbereit, wie beim herkömmlichen Ruhezustand. Dauert die Ruhephase länger, so muß es seinen RAM-Inhalt wieder von der SSD einlesen, was beim alten Modell eine Minute und länger gedauert hat. Erstaunlicherweise geht es aber beim neuen MacBook Air in wenigen Sekunden – ein feiner Zauber!

Am besten also doch ein neues MacBook Air kaufen.